Aachen, 27. November 2018

Deutschland wird seiner globalen Verantwortung nicht gerecht

(Berlin/Aachen 27. November 2018) Wie bekannt wurde, wird die Kohlekommission ihren Abschlussbericht erst im neuen Jahr vorlegen. Lesen Sie dazu eine Stellungnahme von Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von MISEREOR:

"Dass Bundesumweltministerin Schulze nun mit leeren Händen nach Katowice reisen muss, ist weder ein ermutigendes noch wegweisendes Signal! Die UN-Klimakonferenz braucht konkrete und verbindliche Pläne für besseren Klimaschutz aus möglichst vielen Ländern. Hier wird Deutschland einmal mehr seiner globalen Verantwortung nicht zeitnah gerecht. Schon jetzt ist klar, dass die Bundesrepublik das Klimaschutzziel 2020 verfehlen wird. Der Klimaschutzplan 2050 ist nicht ausreichend. Und zudem ist durch die Verzögerung des Schlussberichtes der Kohlekommission weiter offen, wie der Kohleausstieg in Deutschland gestaltet werden soll.

Schon heute leiden weltweit Millionen Menschen unter den Folgen des Klimawandels. Unsere Partner berichten von immer häufigeren und bedrohlicheren Wirbelstürmen, von versalzenen Böden und Dürren und wie der steigende Meeresspiegel Dörfer und Städte in Küstennähe bedroht. Am stärksten sind vor allem diejenigen betroffen, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben – die Armen und Verletzlichsten im globalen Süden. Deutschland bleibt weltweit immer noch unter den Spitzenreitern beim Pro-Kopf-Ausstoß von CO2.

Der Kohleausstieg ist in Deutschland für den Klimaschutz einer der zentralen Hebel. Deshalb ist ein konkreter Ausstiegsfahrplan so wichtig. Ein solcher Fahrplan besteht eben nicht nur aus einem Enddatum, sondern auch aus Vorschlägen, wie sich die Energiewirtschaft verändern muss, dass Stromnetze dezentralisiert und insgesamt weniger Energie verbraucht werden kann. Ausstiegsfahrplan, soziales Sorgetragen und Strukturwandel gehören zusammen und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Auch wenn der Abschlussbericht der Kohlekommission nun später als gewünscht veröffentlicht wird, muss er sich an den Zielen des Pariser Klimaabkommens orientieren und einen konkreten Ausstiegspfad vorlegen, um dazu beizutragen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Es besteht die Hoffnung, dass der Bericht ambitionierte Ergebnisse erzielen wird, die der Sorge um das gemeinsame Haus entsprechen".

Informationen zur aktuellen MISEREOR-Kampagne "Kohlestopp Global" finden Sie unter: www.kohlestopp-global.de

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