Aachen, 03. März 2016

Bordellbesucher tragen Mitschuld an sexueller Gewalt gegen Frauen

MISEREOR setzt sich weltweit gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel ein

(Aachen, 03. März 2016) Im Vorfeld des Internationalen Frauentages am 8. März macht das Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR erneut auf das unermessliche Leid von Frauen aufmerksam, die in Indien immer noch Opfer von Zwangsprostitution und Frauenhandel sind. Viele indische Frauen leiden tagtäglich unter massiven Menschenrechtsverletzungen. 200.000 werden nach Expertenschätzungen jährlich Opfer von Menschenhändlern. Davon betroffen sind auch Kinder aus armen Verhältnissen und verschuldeten Familien, die dann ein Leben als Zwangsarbeiter oder Zwangsprostituierte fristen müssen. Insgesamt mehr als 2,3 Millionen Frauen und Mädchen arbeiten in der Sexindustrie.

"Es ist eine unerträgliche Situation. Mädchen und Frauen, meist aus strukturell wenig entwickelten ländlichen Gebieten, werden je nach Alter für umgerechnet 26 bis 200 Euro an sogenannte Vermittler 'verkauft'. Versprochen werden Jobs mit einem regelmäßigen Einkommen. Danach geraten Frauen und Kinder an gewaltbereite Zuhälter," sagt MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel. "Behandelt wie Ware ohne Rechte und Würde sehen sie keinen Ausweg. Bordellbesucher und auch Sex-Touristen tragen eine Mitschuld an dieser unglaublichen Entrechtung und an der sexuellen Gewalt. Es gibt Gesetze, die die Gleichberechtigung von Frauen festschreiben. Wir setzen auf Aufklärung und Strafverfolgung, damit diese Gesetze in Indien auch in die Tat umgesetzt werden."

Opfer von Menschenhandel müssen als Zwangsprostituierte arbeiten

Die indische MISEREOR-Partnerorganisation Prajwala beobachtet seit Jahren, dass sich die Prostitution zunehmend von Bordellen in Touristen-Ressorts, Hotels, Schulen und an den Rand von Schnellstraßen verlagert hat. Es seien immer mehr Mädchen zwischen 12 und 15 Jahren betroffen, die schlimmste Traumata erleiden. Unter den Prostituierten seien ebenso viele Opfer von häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch. Sie sähen für sich keine anderen Zukunftsperspektiven, weil sie als vergewaltigte Frauen gesellschaftlich geächtet sind und keinen Mann mehr finden. "Die Dunkelziffer an Vergewaltigungen von Frauen ist vielfach höher als in westeuropäischen Ländern mit ähnlichen offiziellen Zahlen. Denn die lokale Polizei nimmt Anzeigen häufig nicht auf, und viele  Opfer trauen sich erst gar nicht, ihre Peiniger anzuzeigen. Vergewaltiger leben ohne jegliches Unrechtsbewusstsein und werden zu Wiederholungstätern,"  berichtet die Indienreferentin von MISEREOR, Brigitte Mandelartz. "Es ist ein brutaler Teufelskreis. Viele Vergewaltigungsopfer geraten in die Prostitution, um irgendwie zu überleben. Sie fühlen sich beschmutzt oder werden von ihren Familien ausgestoßen. Auch junge Witwen sind in einer vergleichbaren Situation. Das ist Ausdruck einer zutiefst patriarchalen Gesellschaft und menschenrechtsverletzenden und feindlichen Haltung gegenüber Frauen."

MISEREOR-Partner klären Männer über Gesetze und Rechte von Frauen auf

Um den Frauen beizustehen und zu helfen, setzt die MISEREOR-Partnerorganisation Prajwala auf Prävention und Information. Sie klärt auf dem Land über die Gefahren durch Menschenhändler auf. Solche Kampagnen richten sich an alle Dorfbewohner, aber besonders an Männer und werden auch an Schulen durchgeführt. Prajwala hat in Zusammenarbeit mit der Polizei bereits Hunderte von Zwangsprostituierten befreit und bei der Wiedereingliederung in die Herkunftsfamilien geholfen. Die Sozialarbeiterinnen gehen direkt auf die Prostituierten zu, bieten rechtliche Beratung an und helfen beim Ausstieg. Eine weitere Zielgruppe sind die Kinder der Prostituierten. "Sie haben es besonders schwer, denn häufig sind sie wiederum Opfer sexualisierter Gewalt. Die Mädchen geraten in die Zwangsprostitution, die Söhne werden Zuhälter ihrer Schwestern und Mütter. Für diese Kinder hat Prajwala achtzehn "Transition Centers" aufgebaut, in denen sie unterrichtet werden und später in regulären Schulen weiterlernen können", sagt die MISEREOR-Indienreferentin Brigitte Mandelartz. "Gleichzeitig leitet Prajwalas Therapiezentren, in denen die betroffenen Frauen ihre Traumata aufarbeiten können. Sie lernen dort handwerkliche und landwirtschaftliche Fertigkeiten, um sich berufliche Alternativen aufzubauen. So können sie Selbstvertrauen gewinnen und ihr Leben in die Hand nehmen."

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Unsere Indienreferentin Brigitte Mandelartz steht für ein Interview mit weiteren Hintergrundinformationen und Fallbeispielen aus Projektbesuchen gerne zur Verfügung.


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